Melancholie oder Depression?
Häufig wird die Melancholie als Depression verkannt und der imgrunde Gelassenheit und Kreativität schaffende Rückzug in sich selbst als krankhaft angesehen. Doch was genau unterscheidet denn die Melancholie von der Depression? Der zeitliche Faktor spielt hier eine bedeutende Rolle: Meist verschwindet die Melancholie genauso leise und spurlos wieder, wie sie aufgetaucht ist. Dies kann innerhalb von Minuten, Stunden oder Tagen sein. Auf keinen Fall hält sie jedoch über einen längeren Zeitraum an. Ein Hinweis, dass die ausgeprägte Melancholie doch eher eine behandlungsbedürftige Depression darstellt, ist die Tiefe der Schwermut. Menschen, die unter ihrer Schwermut leiden, die Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit empfinden, gar an Selbstmord denken, benötigen therapeutische Hilfe.
Die andere Seite der Melancholie
Bevor Sie das nächste Patentrezept gegen Ihre Melancholie ausprobieren, lohnt es sich, diese Stimmung einmal von einer anderen Seite zu betrachten, denn in diesen wehmütigen Momenten liegt auch eine ungeahnte Quelle der Kraft! Melancholie ist genauso ein Teil von uns wie Freude, Trauer, Lebensenergie, Langeweile oder Ekstase. Sie ist also eine ganz natürliche Grundstimmung des Menschen – und keineswegs betrifft das nur die Erwachsenen! Bereits Kinder und Babys haben ihre melancholischen Momente – und sogar die lieben Haustiere durchleben solche Phasen.
Es gibt Momente, in denen wir das Gefühl der Trübsinnigkeit und Traurigkeit auch akzeptieren.. Sie kennen die Leere, die sich im Inneren breit macht, nachdem man einen lieben Besuch oder den Partner, der geschäftlich auf eine längere Reise muss, verabschiedet hat. Der Verstand sagt uns zwar, dass wir ihn ja bald schon wiedersehen, und doch legt sich für einen kürzeren oder längeren Moment Wehmut auf die Seele.
Auch Frauen kennen Phasen der Melancholie, denn kaum eine Frau bleibt von den „Tagen vor den Tagen“ verschont und erlebt im Rahmen des so genannten prämenstruellen Syndroms (PMS) möglicherweise auch schwermütige Phasen. Ähnlich verhält es sich mit dem berühmten „Baby-Blues“ – der auch als „Wochenbettdepression“ bezeichneten vorübergehenden Weinerlichkeit von Frauen in den Tagen nach der Entbindung. Aber was ist, wenn es uns eiskalt und ohne Grund erwischt? Muss man dann nicht schleunigst dagegen angehen und sich wieder umpolen?
aus der wissen.de-Redaktion
