Gedanken und Biografie meiner (Depression) Melancholie…
„Meine geliebte Ostsee im Herbst 2006“ Das soll der Titel dieses Bildes sein. „Geliebte Ostsee“ – ja, aber auch oft gehasst. Gehasst, weil wenn starker Seegang die Dünung kurz und unberechenbar, hektisch umhergeht. Das gibt blaue Flecken beim Festhalten und Gegenhalten, am Stahl-Niedergang (Schiffstreppe). Während meiner Marinezeit habe ich sehr gerne in Kiel gelebt und die Vorzüge der Ostsee genossen. Der Salzgehalt der Ostsee ist geringer, dadurch ist Schwimmen und auch Tauchen angenehmer. Das Meer ist auch immer vorhanden! Hier möchte ich einfach nur niederschreiben, wie es mir in der Zeit der leidvollen Depression 2006 – 2008 erging. Meine melancholische Biografie! In meiner schwersten, schlimmsten, leidvollsten Lebensphase, meine Gefühle und Gedanken – wie alles begann – was war der Auslöser – Glücksfälle…..
So…., nun gehts los!
Irgendwann einmal, ich denke so in den 1990er Jahren, habe ich meine Hebamme kennengelernt. Nach der Frage meiner familiären Herkunft kam dann das Erstaunte „ach ja“ da kann ich mich noch erinnern (1956, bei noch fünf Geschwistern erstaunlich). Wir haben dich mit Großaufwand geholt und aufs Bett geschmissen und uns erst einmal um deine Mutter gekümmert. Ich hatte schon immer das Gefühl nicht willkommen zu sein, von Geburt (15. März 1956) an. Die Geburt war wohl eine Katastrophe, wir mussten noch bis Ende April im Krankenhaus bleiben. Ich glaube ich habe mich mit Händen und Füssen gewehrt, wollte einfach nicht diese Welt erblicken!
Die glücklichsten Menschen haben es nicht notwendig, das Beste von allem zu haben; sie machen nur das Beste aus allem, was ihnen widerfährt.…
Ich möchte hier keine Ratschläge erteilen und auch nicht therapieren, ich möchte nur erzählen, wie es mir erging, was mir geholfen hat oder auch nicht. Ich selbst bezeichne mich bei einer Neuvorstellung, in der Selbsthilfegruppe, als Prototyp eines erfolgreichen Psychopathen. Warum diese Titulierung? Weil es mir gelungen ist, aus der tiefsten, untersten Sohle der Depression oder auch Psychose, diesem Loch, von mir auch Höllenschlund genannt, zu entfliehen. Mein Leben komplett zum Besseren umgestaltet und verändert habe. Melancholie, so nenne ich heute diese Depressionsphasen die ab und zu noch einmal anklopfen und mir sagen: „Hallo hier bin ich, wollte dich nur noch mal an mich erinnern, aber ich lasse dich bald wieder in Ruhe und du wirst auch nicht so leiden…!“ Auf dem langen Weg meine Depression zu bearbeiten, war es für mich wichtig diese zu akzeptieren und anzunehmen. Mit Hilfe meiner Therapeutin war es der erste, mühsame Erfolg. Nun folgte die erste Krücke, ein passendes Medikament musste gefunden werden. Im Nachhinein würde ich sagen, das ist auch das schwierigste. Die zweite Krücke ist nun die eigentliche Therapie, also Therapeut und Fachklinik. Ja, auch hier muss es, gelinde gesagt, passen. Außer der depressiven Leidensphase erscheinen nun noch weitere, meist schmerzhafte Phänomene. In der Psychosomatik werden die körperlichen plagenden Merkmale der Depression z. Bsp. Kopf-, Bauch-, Rücken-, Nackenschmerzen spürbar, der Burnout gehört ebenfalls dazu. Im Beitrag „Über mich“ auch beschrieben! In der Therapie stellt sich nun die unausweichliche Frage: „Was ist nun die Ursache dieser, meiner Depression?“ 2005 habe ich nun, nach einem satten Burnout, zusammen mit meiner Therapeutin, unter Einfluss von Beruhigungs-, Schlafmittel, Antidepressiva und Akupunktur versucht dem Feind auf die Schliche zu kommen. Ich nehme es jetzt und hier schon mal vorweg, es hat nicht funktioniert. Bis Januar 2008 hat es noch gedauert, bis zu einem (glücklichen) massiven Zusammenbruch, den Ursprung nun endlich zu erforschen.
"Ich habe die Hoffnung, auf eine bessere Vergangenheit, aufgegeben...!"Diesen Spruch habe ich auf unser Wohnmobil geklebt!
Meine Therapeutin ist auch Psychologin, Dr. U. N. aus Neuwied, sie konnte somit auch die Rezepte für die Medikamente ausstellen und mich arbeitsunfähig schreiben, auch die chinesischen Akupunktur hat sie angewendet. In dieser schweren Zeit, ich war selbständig (SHK-Handwerksbetrieb mit 5 Mitarbeitern), war ich privat krankenversichert. Im Nachhinein ein sehr großes Glück, denn meine Krankenversicherung hat alle Kosten, einschließlich Therapie, Klinik-Aufenthalte, Krankenhaus-Tagegeld und auch Krankengeld (längere Zeit) bezahlt. Doch all mein Mühen, alle Medikamente und alle Hilfe meiner Therapeutin es wurde immer schlimmer, das Leiden immer größer und die Nacht zum Tag – der Tag zur Nacht. In dem Gedicht „Meine Nacht“ von mir beschrieben. Ich weiß nicht mehr wie viele verschiedene Medikamente ich konsumiert habe, doch an das damalige kann ich mich noch recht gut erinnern. Es verursachte einen trüben, nebligen Zustand mit einem Blick wie durch eine Gardine, fast schon schwebend und beinahe angenehm, aber halt nicht gut. Erste, ernsthafte, schlimme Gedanken machten sich selbstständig mit Kopfkino und Karussellfahrt in der Nacht. Ich mußte Schlafmittel und Beruhigungsmittel nehmen, um mein Tagesgeschäft irgendwie auszuführen. Also beschlossen wir, meine Therapeutin und ich, eine Kliniktherapie zu beantragen.
Früher war die Zukunft auch besser...! A. d. Spruch steht auf dem Womo!
Die passende Klinik wurde schnell gefunden und nach einem Chefarztgespräch, bei dem auch die Dringlichkeit erkannt wurde, habe ich in der Psychosomatischen – Fachklinik – Bad Honnef, einen Therapieplatz erhalten. Ein Vierteljahr volles Therapieprogramm, auch wieder mit Höhen und Tiefen, doch mit wertvollen, hilfreichen und intensiven, langen Freundschaften. Leider bewegte ich mich auf derStelle, das eingebrachte Medikament wurde nicht verändert und die Therapieansätze blieben auch die gleichen. Mich plagten starke Rücken-, Kopf- und Nackenschmerzen, das Gefühl ein mächtiger Ast liegt quer über meinen Schultern (in meinem Gedicht „Meine Angst“ beschrieben). Angstzustände und Existenznot nahmen ihren Lauf somit kamen auch noch Schmerzmittel zum Einsatz bzw. Medikamentencocktail. Schlafen ohne Schlafmittel war nicht mehr möglich. Meine dortige Therapeutin äußerte den Wunsch: „Bringen sie mir doch bitte, vom Rheinufer, einen passenden Treibholzast, zur nächsten Therapiestunde, mit!“ Also machte ich mich, mit meinen neuen Freunden, auf den Weg. Ich fand dann auch recht schnell ein geeignetes Exemplar (welches für den Schmerzzustand passte). Ich war froh ihn nicht allein zur Klinik zu tragen, denn er war sehr mächtig und schwer, doch auch für mich eben passend. Zur nächsten Therapiesitzung nahm ich diesen besagten Ast mit. Kommentar meiner Therapeutin: „Puh, jetzt sind mir ihre Schmerzen auch begreifbar.“ Dieser Ast war dann auch noch einige Zeit Gesprächsstoff in der Gruppentherapie. Wie erwähnt, nach einem Vierteljahr wurde ich, auf eigenen Wunsch, aus dieser Klinik entlassen, doch leider, ohne einen Ansatz von gesund zu sein. Das Schönste an diesem Klinikaufenthalt waren die unsagbar guten Freundschaften, wir haben sehr viel gemeinsam unternommen (Abende in der Stadt oder Sauna in Windhagen). Die Freundschaften waren lang andauernd, intensiv, einzigartig und wir haben uns selbst therapiert. Danach haben wir uns öfter in Bad Honnef getroffen. Für mich eine sehr positive, angenehme Lebenserfahrung.
Und über keine Dinge in der Welt weiß ich weniger als über mich...! Ich kann die Augen verschließen und trotzdem geschehen Dinge; Ich kann schreien und trotzdem werde ich nicht verstanden; Ich kann weinen und trotzdem ändern sich dieSituationen nicht; Ich kann versuchen zu vertrauen und trotzdem enttäuscht werden; Ich kann versuchen zu vergessen und trotzdem bleiben schmerzende Erinnerungen; Ich kann vor Problemen in Träume flüchten und trotzdem wache ich immer wieder auf; Ich kann versuchen zu lachen und trotzdem bleibe ich traurig; Ich kann das Licht suchen und trotzdem mich immer wieder in der Dunkelheit verlieren...!
In dieser schwierigen Zeit war meinedamaligeLebenspartnerin, mit ihren Zwillingsbuben, mein erster bewusster Glücksfall, denn sie stellte sich vor, hinter und neben mich, ließ nichts Belastendes oder Negatives an mich heran, tauschte das Handy aus und niemand konnte auf mich einwirken. Sie gab mir Mut, Zuversicht und Liebe. Das private Glück und die neu gewonnenen Freundschaften ließen mich gesünder erscheinen, als ich wirklich war. Ein psychisch kranker Mensch ist auch meist ein guter Schauspieler. Ich wollte einfach nur nach Hause, also spielte ich den Genesenen. Mit meiner kleinen Familie verbrachte ich viel Zeit, es kam etwas Struktur in mein Leben. Wir fuhren mit dem Wohnmobil in den gemeinsamen Urlaub, natürlich an die Ostseeküste. Mein Zustand verschlimmerte sich von Tag zu Tag, Woche zu Woche und Monat zu Monat. Bei einem Waldspaziergang mit einem der Buben, er nahm mich an die Hand und sagte: „Du bist ein toller Papa, aber warum schaust du immer so traurig?“ Mir stockte der Atem, ein Kind erkennt meinen Zustand an meinen Augen! Diese Aussage hat mich sehr nachdenklich gemacht. Wie sehen mich meine Mitmenschen? Zu seiner Aussage bezüglich „toller Papa“ sagte ich ihm, dass ich nur ein guter Freund sein kann, ein väterlicher. Anfang November 2007 sagte mir meine Partnerin: „Es tut mir sehr leid, doch meine Kräfte schwinden, ich muss mich mehr um meine Jungs kümmern.“ Ich hatte Verständnis für die Trennung, war doch der „Novemberblues“ in vollem Gange und die Zwillinge waren in einer schwierigen Schul- und Lebensphase. Mein Lebensmut verließ mich, noch mehr, noch tiefer war das Loch, in dem ich mich nun befand. Zum Geburtstag schenkte mir meine Partnerin einst einen eigenen Stern, mit meinem Namen. In „Meine Sternensuche“ gedichtet (allerdings erst später).Zu meiner psychischen Tiefpunktphase kam jetzt noch der Trennungsschmerz dazu. Mein Gedanke war gefasst, ich wollte diese Welt verlassen, so schnell es geht – die Menschheit von mir befreien. Mein Versicherer wollte nun ein Gutachten über meinen Gesundheitszustand, dieses sollte ein Professor in Lahnstein durchführen. Leider ist mir der Namen entfallen. Dazu wollte ich es nicht mehr kommen lassen, hatte schon einiges an Schlafmitteln, in Flüssigkeitsform, gehortet. Dann ein Anruf meiner Freundin Elisabeth (aus Bad Honnef). Wir redeten sehr lange und intensiv, sie konnte mich nicht von meinem Plan abbringen. Sie fragte nach dem Schlafmittel und welche Menge ich hätte. Elisabeth wollte ihre Schwester, die Apothekerin war, fragen und mich dann wieder zurückrufen. Nacheinigen Minuten kam dann diese Rückmeldung: „Uwe, mach´s nicht, die Menge ist nicht ausreichend, das könnte in die Hose gehen…!“ Somit wurde Elisabeth vermutlich meine Lebensretterin, der 2. Glücksfall.
Kennst du das Land, wo keine Blumen blühen, den finsteren Kerker, den kein Gott besucht? O wehe dem, der dahin musste ziehen, o Hundeloch, sei tausendmal verflucht! H. Hesse
Vorweg, hier nun mein 3. Glücksfall. Nachdem ich nun mein Vorhaben aufgab (vorerst), habe ich den Gutachtertermin wahrgenommen Freitag, 09.11.2007-07:30 h bei diesem Psychologen/Professor in Lahnstein. Ich war pünktlich und der einzige Psychopath im Wartezimmer. Um 8 h wurde ich aufgefordert, im Sprechzimmer Platz zu nehmen. Der Professor kam in das Zimmer, gab mir die Hand zum Gruß und setzte sich hinter den Schreibtisch, mir gegenüber. Der erste Eindruck, ein reifer, grauhaariger, großer, schlanker, sympathischer Mann. Er erklärte mir, dass er für meine Krankenversicherung einen Krankenbericht erstellen soll. Er blickte mir in die Augen, stellte mir Fragen (Therapie, Klinik, Medikamente, wie es mir geht und wie ich mich fühle) und machte sich Notizen. Dann kam der Hammer, ein Schock, eine Wahrheit, die kaum zu ertragen war. Er sprach meinen absolut schlechten Zustand und die Suizidgefahr offen aus und wollte dies auch meiner Versicherung, mit Dringlichkeit und sofortiger Einlieferung in die Psychiatrie, mitteilen. Er sagte dann: „Ich habe in meiner langen Praxiszeit nur ganz wenige Menschen in diesem Zustand erlebt, sie müssen sofort in eine geeignete Fachklinik und wenn ich sage, sofort dann meine ich auch sofort. Bei ihnen reicht ein Blick in die Augen, um ihren Zustand zu erkennen.“ Falsche Therapie auch in der Klinik Bad Honnef und falsche Medikamente war seine weiter Aussage. Es ist zwar nicht meine Aufgabe, doch aus gebotener Fürsorge werde ich mit Hilfe ihrer Therapeutin, eine Fachklinik finden. Ich sollte nun zu meiner Therapeutin fahren und mich in die vom Professor zwischenzeitlich gefundene Fachklinik überweisen und auch bis auf weiteres weiter krankschreiben lassen. Während der Fahrt von Lahnstein nach Neuwied hat dieses alles auch funktioniert. Meine Therapeutin hat in einem Telefonat mit diesem Professor alles geklärt und war auch nicht sauer (sie kannten sich wohl sehr gut). Für Sonntag, 11.11.2007 war die Aufnahme in der Buchtal Klinik in Albstadt (südl. Stuttgart) Fachklinik für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie undPsychiatrie vereinbart. Nach einem letzten Gespräch mit meiner Therapeutin und meinem Gutachter/Professor wurde mir erzählt, dass dieser Vorgang einzigartig ist, eine Klinik an einem Freitag die noch einen freien Platz hat zu finden Glück ist. Ich packte meine 7 Sachen und wurde am Sonntag, 11.11.2007 nach Albstadt gebracht, in die Psychiatrie eingeliefert und mit Tavor ruhiggestellt. Ich gab mir selbst die letzte Chance. Die Buchtal Privatklinik am Waldrand vom Ortsteil Tailfingen gelegen war gerade erst im September 2007 eröffnet, mit ca. 30 Therapieplätzen. Es roch noch nach Neu, ich bezog ein Einzelzimmer und wollte die Mehrkosten mit dem Tagegeld verrechnen. Dieser Professor wurde durch sein Tun vermutlich zu meinem 2. Lebensretter und somit zu meinem 3. Glücksfall…!!!???
Wir finden Tröstungen, wir finden Betäubungen, wir lernen Kunstfertigkeiten, mit denen wir uns täuschen. Das Wesentliche aber, den Weg der Wege, finden wir nicht...!
Buchtalklinik 1. Kapitel – „Die Psychiatrie“
www.akutklinik-albstadt.de Ankunft in Albstadt Buchtalklinik am 11.11.2007 – 16:30 Uhr, ich wurde von einer Krankenschwester empfangen und das Aufnahmeprozedere nahm seinen Lauf. Die diensthabende Psychologin, sie hatte Rufbereitschaft, wurde zum Einlieferungscheck angerufen. Ich bekam noch einen Happen zu essen und wartete mit meinem Gepäck auf die Ärztin. Mit der Wartezeit hatte ich kein Problem, war sowieso nicht mehr so richtig „In“ mir. Wie schon erwähnt, ich gab mir selbst die letzte Chance – ganz ehrlich ich gab mir auchselbst wenig Hoffnung, doch ein Freispiel hatte ich ja nun. So stellte ich mich auch dar, überheblich mit den Worten „game over ohne Erfolgsaussicht“. Natürlich war der Psychologin mein schlechter Zustand aufgefallen, sie erklärte mir die erforderlichen Maßnahmen in der Psychiatrie, ich bekam die erste Dosis Tavor und noch ein Medikament. Die Unterhaltung fand ich, trotz meines Zustandes, angenehm auch die Psychologin fand ich sympathisch. Frau Dr. Hesselbarth ca. 40 Jahre, mit sächsischem Unterton, wurde auch meine Bezugstherapeutin (das erfuhr ich dann am nächsten Tag). Sie sah gut aus und teilte eine Leidenschaft mit mir – „das Rauchen“. In dieser Zeit rauchte ich Zigarillos „Fellows Red“ mit Vanillearoma. Ich bezog mein Zimmer, von mir sarkastisch Zelle genannt, räumte die Klamotten ein und legte mich auf´s Bett. Erstaunlicherweise schlief ich auch gut ein, war halt auch sehr erschöpft und Tavor begann zu wirken. Montagmorgen im Speisesaal staunte ich nicht schlecht, hier waren nur ca. 12 Patienten anwesend, vorweg bis zum Ende meiner Therapie waren es 28. Mir wurde ein fester Sitzplatz, an einem 8 Personentisch, zugewiesen an dem schon 2 Männer saßen. Kurze Vorstellung und man sieht sich. Nach dem Frühstück hatte ich dann das Gespräch mit dem Chefarzt, der auch der Miteigentümer der Buchtalklinik war. Aus seiner Sicht sollte ich, in der Psychiatrie, erst einmal zur Ruhe kommen und eine abgespeckte Therapie erhalten. Mit anderen Worten „Ruhigstellung und Ursachenforschung“. Mittlerweile stellte sich bei mir auch die nächste, teils schmerzhafte Symptomatik ein. Ein Kloß im Bauchbereich machte sich selbstständig und mir das Leben schwer (im Gedicht „Angst“ auchbeschrieben). Er wuchs wurde kleiner wieder größer und drückte mal da mal dort einfach nur ekelhaft. Die Therapie mit Frau Dr. Hesselbarth wurde immer anstrengender, sie und ich sahen keinen Fortschritt, kein Licht am Ende des Tunnels, es wurde sogar laut, flossen Tränen. Ich fing an mich selbst zu quälen, hörte mit dem Rauchen auf, joggte um 6 Uhr jeden Morgen ca. 8 km durch den Wald, jede freie Stunde auch noch auf die Rudermaschine oder auf´s Ergometer und abends in die Sauna. Mit dem Nichtrauchen stieß ich auf Unverständnis, man war der Meinung es wäre kontraproduktiv, mir in dieser, meiner schlechten Verfassung noch mehr Stress anzutun. Doch ich habe es geschafft, seit dem 09.12.2007 in Eigentherapie „Rauchfrei“. Doch die Verzweiflung, die Psychose und die Psychosomatik machten mein Leiden und somit mein Leben schlimmer. Nun begann ich Gedichte zu schreiben, meist in schlafloser Nacht entstanden meine Werke, meine Gedichte, meine Gefühle, meine Gedanken…
Die beste Art von Menschen ist diejenige, mit der wir auf einer Veranda sitzen können, ohne ein Wort zu sprechen, aber wenn wir auseinander gehen, das Gefühl haben, die beste Konversation geführt zu haben, die wir jemals gehabt haben.
Buchtalklinik 2. Kapitel – „Die bittere Wahrheit“
Anfang Januar, das Klinik-Therapieleben plätscherte so vor sich hin, Gedichte zu schreiben begeisterte nicht nur mich selbst, auch meine Therapeutin und meine Mitpatienten waren Teils sehr angetan oder besser gesagt begeistert. Jedes neue Gedicht wurde in den Gruppengesprächen analysiert, intensiv besprochen. Wohl auch das Klinikpersonal sprach in deren Sitzungen über meine Gedichte. Bei einer solchen Sitzung stellte dann der Chefarzt fest, dass ich noch nach mehr als sieben Wochen Tavor bekam. Entsetzt muss er dann gesagt haben, „es muss sofort damit begonnen werden es abzusetzen.“
Das Medikament ist für eine Kurzzeitbehandlung von maximal vier Wochen zugelassen, weil schon nach kurzer Zeit der Einnahme eine körperliche Abhängigkeit entstehen kann. Zur Langzeitbehandlung sind andere Medikamente besser geeignet.
Dieses sofort absetzen nahm die Nacht-Krankenschwester wörtlich. Also bekam ich nicht meine geliebte „Superpille“. Ich schlief auch ganz gut ein. Doch gegen Mitternacht wurde in mir der Tiger geweckt, ich ging ab wie Schmidt`s Katz – Schweißausbrüche, Herzrasen, Atemnot – ich wusste nicht was da geschah. Durch mein lautes Schreien wurden meine Mitpatienten geweckt und riefen die diensthabende Ärztin. Hier beginnt nun mein 4. Glücksfall, Glücksfall #4.1. Frau Dr. Klement, die diensthabende Fachärztin/Therapeutin war über Nacht in der Klinik, weil ihr Wohnort in Richtung Bodensee, zu weit von der Klinik (Rufbereitschaft) entfernt war. Sehr schnell erkannte sie die Situation, sie gab mir eine Tavorpille und recht zügig erreichte ich den Beruhigungszustand. Glücksfall #4.2. Sie setzte sich in den Sessel, unterhielt sich sehr intensiv mit mir. Sie fragte nach meinen Gedichten und ob sie diese lesen darf, sie hatte davon in den Sitzungen gehört. Ich händigte ihr meine Gedichte aus, sie begann eins nach dem anderen zu lesen, ab und zu nachfragend kam sie dann zum Gedicht „zu früh“. Ein klein wenig Entsetzen erkannte ich in ihren Gesichtszügen –„was ist das denn“- war ihre Frage. Ich fing an ihr dieses Gedicht mit dem Hintergrund zu erklären.
Hier nun mein frühkindliches Erlebnis, der Anfang allen Übels, der Auslöser – Beginn meiner Leidensgeschichte.
Im frühkindlichen Alter von fast 3 Jahren, Ende Februar 1959, spiele ich mit meinem gleichaltrigen Nachbarsfreund auf dem Trottoir. Wir fuhren mit unseren Dreirädchen umher, irgendwie verspürte ich schon Frühnachmittags ein gewisses, leicht schmerzhaftes Ziehen im Unterleib. Nach dem Abendbrot gings zu Bett, mein Kinderbett stand noch im Elternschlafzimmer, da begann in der Nacht der große Schmerz im Unterleib. Leise vor mich herschluchzend wurden meine Eltern darauf aufmerksam. Zu dieser Zeit gab es noch kein Telefon im Haus, also musste mein Vater bis zum Rotkreuz Krankenwagenfahrer laufen, diesen aus dem Bett klingeln und ihn auffordern, mich ins Krankenhaus zu fahren. Sein Name war Halbritter stammte aus Bayern, er war natürlich total begeistert jetzt zur Nachtzeit ein Kleinkind ins Krankenhaus zu chauffieren und fluchte wohl andauernd (natürlich auf bayrisch). Es war leider auch sehr akut, meine Eltern vermuteten eine Blinddarmentzündung. Die erste Station war das Krankenhaus in Vallendar – hier abgewiesen. Zweite Station war das Stift-Krankenhaus-Koblenz – hier abgewiesen. Dritte Station war das Kemperhofklinikum-Koblenz – hier abgewiesen. Nun wurde Herr Halbritter recht zornig und sagte an der nächsten Klinikstation Marienhof-Koblenz, wenn hier nicht direkt geholfen wird stirbt mir der Bub. Hier wurde ich nun letztendlich auch notoperiert, der Blinddarm war vereitert und auch schon durchgebrochen. Rettung in letzter Minute, noch einmal dem Satan von der Schippe gesprungen. Nach der Operation wurde ich in einem Gitter-Kinderbett wach. Das Bett stand im Männerschlafsaal mit ca. 10 Betten in der hintersten Ecke. Hier hatten die Pflegenonnen das Sagen, ich trug wieder Windeln und sollte einfach nur ruhig sein. Nun kommt der Hammer, hier blieb ich liegen und durfte keinen Besuch erhalten, rein keinen Besuch auch nicht von meinen Eltern. Vier Wochen dauerte diese Katastrophe. Mein Leid schluchzte ich ins Kopfkissen, ab und zu kam einer dieser Schlafsaalmänner und streichelte mir übers Haar, spendete Trost. Im Türfenster erkannte ich ab und zu den Kopf meiner Mutter der sich wieder rasch entfernte. Die Schwestern kamen dann anschließend und brachten mir ein Spielzeug. Doch meine Frage war natürlich, was habe ich nur getan, dass man mich hier abgelegt hat. Meine Eltern holten mich nach 4 Wochen ab. Ich würdigte sie keines Blickes, lief zu Hause zu meinen Großeltern und wollte nichts mehr mit meinen Eltern zu tun haben. Kopfschüttelnd und mit erstem Gesichtsausdruck hörte sich die Nachtärztin meine Geschichte an – die bittere Wahrheit -.Nun wurde diese Therapeutin zu meinem Glücksfall #4.3., sie war Fachärztin für Psychotraumata und erkannte in meiner Leidensgeschichte, den damit geschriebenen Gedichten, dem Zusammenbruch und dem gesamten Gespräch die psychischen Zusammenhänge, wörtlich -„sie sind durch dieses Erlebnis hochgradig traumatisiert“-. Endlich, wenn auch durch sehr viel Glück, konnte nun der Anfang, der Auslöser meiner psychischen Erkrankung, meines Leidens, meiner Melancholie erkannt werden.
Es ist wahr, dass wir erst dann wissen, was wir gehabt haben, bis wir es verloren haben, aber es ist auch wahr, dass wir nicht wissen, was wir vermissen, bis es eintrifft.
Buchtalklinik 3. Kapitel – „Therapie mit Erfolg“
Mit einem kleinwenig Schlafmittelchen konnte ich die letzten 4 Stunden zufrieden einschlafen. Meine Nacht war schon in der gesamten Klinik bekannt, ich durfte das Frühstück auf dem Zimmer einnehmen und noch etwas Zeit im Bett verbringen. Um 9 Uhr bekam ich Besuch von meiner Therapeutin, sie hatte bereits mit meiner Glücksärztin gesprochen, sie gab mir bedingt durch die aktuelle Situation zu verstehen, dass sich nun unser gemeinsamer Therapieweg trennt. Meine zukünftige Therapie soll mit der Trauma Therapeutin neu aufgestellt und ausgerichtet werden. Meine Ansage darauf: „Frau Hesselbarth Sie und ich, wir beide, haben einen langen teils anstrengenden gemeinsamen Weg zurückgelegt. Ich habe mich sehr an Sie gewöhnt und ich mag Sie, auch wenn Sie rauchen. Ich möchte mit Ihnen, gemeinsam nun auch den Endspurt, das Ziel erreichen.“ Da kullerten doch tatsächlich ein paar Tränchen bei meiner Therapeutin und sie nahm mich kurz in ihre Arme mit den Worten: „Das kläre ich jetzt ab“ verschwand sie aus dem Zimmer. Die gesamte Therapie wurde nun auf die Traumaerkenntnis umgestellt, gemeinsam mit meiner Therapeutin und mit Hilfe der Traumaärztin gings am nächsten Tag los. Ich bekam außerdem Einzel – KBT (Konzentrative Bewegungstherapie) mit der Trauma Therapeutin. Hier konnte ich mich so richtig auslassen, Wut ausleben und laut schreien. Ich möchte mich nicht weiter darauf einlassen ich durchlebte noch einmal die Hölle doch die psychischen Erkenntnisse und die Zusammenhänge wurden von mir erkannt und verarbeitet. Ich machte weiterhin viel Sport und ging im „Albstädter Badkap“ mehrmals in der Woche/Wochenende in die Saunaanlage. Diese Wohlfühlstunden, meine neuen Freundinnen und Freunde sowie die erfolgreiche Therapie gaben mir immer mehr Lebensfreude zurück. Viele weitere Unternehmungen, Ausflüge und die abendlichen Ausgänge (in unser Stammlokal), ließen die Zeit rasant vergehen. Am 11.März 2008 gings, nach erfolgreicher – glücklicher Therapie, nach Hause. Zu Hause angekommen räumte ich nicht nur meine Kleidung in den Schrank, sondern räumte auch den Rest meines alten Lebens gründlich auf. Dies war meine letzte Chance – nie mehr Therapie – nie mehr Medikamente – nie mehr in eine Klinik – nie mehr solche Depressionen………. Mein Glücksfall #5 – die Selbsthilfegruppe, ich besuchte sie und besuche sie immer noch, es gibt nichts Besseres als in einem Raum mit seines Gleichen zu sein und zu reden. Mein Glücksfall #6 ist für mich heute der wichtigste und wertvollste Mensch überhaupt, meine Ulrike – nicht nur Ehefrau, Freundin und Partnerin, sondern verständnisvolle, mitfühlende Helferin in der Melancholie. Besonders in der grauen Jahreszeit, aber auch ohne erkennbaren Auslöser, leide ich immer noch unter der Melancholie – mal mehr mal wenig – eigenmächtig, bei weitem nicht mehr so leidvoll und nicht mehr so schlimm – ich ertrage es – auch ohne Medikamente – doch mit sehr viel Verständnis…!
Anfangs wollt ich fasst verzagen, Und ich glaubt, ich trüg es nie; Und ich hab es doch getragen, Aber frag mich nur nicht wie?
Ich habe fertig…, ja, mit der erfolgreichen Depressions- bewältigung. Doch es gab auch Konflikte in meiner Klinik- Therapiezeit. Ein für mich positiv, schönes Erlebnis und auch ein äußerst negativ, belastendes Ereignis. Nachstehend werde ich diese beiden Erlebnisse niederschreiben.
Buchtalklinik 4. Kapitel – „Erlebnis und Konflikt“
I. Es muss nicht immer Liebe sein, auch wenn es sich so anfühlt…!
So Mitte Dezember´07 kamen neue Patienten in die Klinik, darunter ein Frau Anfang 40, hier nenne ich sie Carla. Sie war, wie wir alle Anfangs, sehr zurückhaltend still. Ich sah ihr die Depression an, das Leiden, die Depression zeigte sich in ihrer Ausstrahlung. Ich konnte es an ihren Augen erkennen, ja, die Augen zeigen die Traurigkeit und die Müdigkeit. Carla ließ weder Nähe noch Gespräch zu, so gab sie sich und so zeigte, sagte sie es. In Gesprächen mit meinen Mitpatienten und Freunden wurde mir selbst auch dieses Verhalten nachgesagt, vielleicht sogar mit noch größerer Distanz, noch ausgeprägter, noch intensiver. Ich war froh, dass sie in einer anderen Therapiegruppe war. Nur beim gemeinsamen Sport und bei der Bewegungstherapie sahen wir uns. Das gemeinsame Weihnachtsfest und Silvester bzw. Neujahr, wir waren nur etwa 6 Patienten über die Festtage in der Klinik, kam es zu Gesprächen und Spielenachmittagen. Unsere Gemeinsamkeit, das Laufen, brachte uns nun erstmalig Nähe. Carla lief immer spätnachmittags, nach der Therapie, ich lief immer frühmorgens, vor der Therapie, aber immer im Dunkeln durch den Wald. Sie fragte mich: „Würdest Du mich begleiten, es ist mir allein etwas unheimlich?“ Gesagt getan, ab dann liefen wir nach der Therapie gemeinsam. Nun machte sich auch zunehmend meine neue Trauma-Therapie bemerkbar, es ging beständig bergauf. Das Licht am Ende des Tunnels war sichtbar, erkennbar und spürbar. Carla und Ich verstanden uns immer besser, Gespräche und Freizeitaktivitäten wurden intensiver, ja angenehmer. Wir besuchten an den Wochenenden Bekleidungs-Outlet-Center, Museen und Sehenswürdigkeiten in Stuttgart bzw. Reutlingen und natürlich die Hohenzollernburg. Cafe Lenau am Albstädter Marktplatz, sowie das Wirtshaus „Zum Schlitzohr“ wurden, zusammen mit unseren Freunden, zu Stammlokalen. Ich besuchte immer noch regelmäßig, mit großer Leidenschaft, die Saunaanlage „Badkap“, meine Erholungsinsel. Dieses Einzigartige, diese Entspannung, dieses für Mich sein, wollte ich auch weiterhin alleine genießen. Auch weil ich mit einigen „süchtigen Saunagängern“ bzw. einigen saunierenden, schwäbischen Ureinwohnern gute Bekanntschaften geschlossen hatte. Also in diesem Bezug blieb ich eher wortkarg, doch irgendwann kam dann die Frage: „Nimmst Du mich mit ins Badkap?“ Nach der Klärung, bezüglich Beziehung in der Therapie (in jeder Klink nicht gewünscht), und des beidseitigen akzeptieren der nur Freundschaft, fuhren wir dann ins Badkap. Die darauf folgenden Wochenenden verbrachten wir gänzlich im Badkap, es war einfach nur superschön und wir merkten nicht die zunehmende Zuneigung, die Nähe die dabei entstand. Oder wollten wir es nicht spüren? Anfang Februar, es war ein kalter Sonntagmorgen, fuhren wir schon früh ins Badkap, wollten dort auch frühstücken (mal was anderes als die Klinikkost). Es waren erst sehr wenig Leute in der Saunaanlage und es gab auch noch keine Aufgüsse. Nach dem Frühstück beschloss ich, einen Saunagang in der ultraheißen Erdsauna, Carla besuchte die 60° Biosauna (da kannst du stundenlang dösen). Nach ca.10 Minuten Erdsauna war Abkühlung angesagt, unter der kalte Schwallbrause und im Eisbecken (nach der Minusnacht im wahrsten Sinne des Wortes). Nach der Abkühlung gings mit Wollsocken und Bademantel zum Ruheraum. Schwuppdiwupp ins wohltemperierte Wasserbett, ich kann euch sagen Millionen Ameisen grabbelten über meinen Körper. So wahr eben dieses Gefühl für mich. Carla war noch in der Schmuddelsauna, so habe ich die Biosauna mit ihren bunten Lichteffekten genannt. Ich war wohl etwas eingelullt da merkte ich wie die Wolldecke leicht angehoben wurde und jemand sich zu mir legte, ganz langsam, ganz behutsam, ganz vorsichtig. Natürlich wusste ich wer da ins Bett kroch. Ich stellte mich schlafend, mir stockte der Atem, das lag jedoch nicht an ihren eiskalten Füssen. Eine Hand streichelte zart meinen nackten Körper. Sie hauchte mir leise ins Ohr: „Es tut mir nicht leid und ich halte es nicht mehr aus, ich will dich jetzt und sofort…“ Wir waren beide ausgehungert und es kam was nicht kommen durfte, doch das war uns gelinde gesagt egal. Wir waren im Ruheraum ganz allein und es war unsagbar schön, wir blieben noch länger im Wasserbett liegen, genossen in Stille diese unbeschreibliche Zeit. Den Rest des Sauna-Sonntag verbrachten wir eher nachdenklich, besinnlich still. Auf diese neue Situation waren wir nicht eingestellt, ich wollte auch noch keine Beziehung eingehen und in der Therapie für mich undenkbar. Es gab zwar kein Verbot, doch es war tabu. Ich war irgendwie verzweifelt, wusste ich noch nicht wie Clara damit umgeht. Ob es für sie eher belastend war, sie gar darunter leidet. Clara machte auf mich einen glücklichen, zufriedenen und ruhigen, gefassten Eindruck. Bei mir war es ähnlich, einfach nur ein gutes Gefühl. An der Klinik angekommen verabredeten wir, eine Nacht darüber zu schlafen, um dann zu reden. Gesagt, getan – bei der abendlichen Laufrunde, wir liefen nur kurz, setzten wir uns auf eine Bank. Es kam zu einer klaren Aussage, damit hätte ich niemals gerechnet, für mich genauso zu akzeptieren. „Lass uns, für den Rest der Klinikzeit, zusammenbleiben, ohne feste Bindung. Die Zeit gemeinsam genießen und glücklich sein.“ Doch konnte das gehen…? Ja, es ging – denn weder Clara noch Ich hatten ein Beziehungsproblem – im Status Quo. Eine Kurzzeit -Liebelei wurde von uns als therapiefördernd angesehen. Ich weiß auch bis heute nicht, in welcher Beziehung sich Clara befand, gelinde gesagt, es war mir auch egal. Clara hatte ein Zweibettzimmer in der Buchtalklinik, also waren wir sehr oft in meiner „ Zelle“, zu zweit. Die Zeit raste, gefühlt noch schneller, mein Entlassungstermin rückte immer näher. Unsere Zweisamkeit blieb jedoch nicht unentdeckt, es kam zu einem gemeinsamen Gespräch zwischen Clara und ihrer Therapeutin, meiner Therapeutin und mit Mir. Bevor die Klinikleitung davon erfuhr, sollte ein gemeinsames Gespräch, Klärung schaffen. Wir erzählten alles, auch unseren Beziehungsstatus, auch wie gut es uns damit ging und dass es sowieso bald endet. Doch beide Therapeutinnen sahen keine Gefahr für den weiteren Theraphieverlauf, der bei mir in 8 Tagen zu Ende war. Wir sollten uns zurückhaltender zeigen und nicht mit anderen darüber sprechen. In der letzten Woche kam es dann zu einem Konflikt, der mich sehr belastet hat. Ich werde noch, im Anschluss, darüber schreiben. Clara stand fest zu mir, half mir diese Hürde zu nehmen. Der letzte, gemeinsame Tag wurde nun doch emotioneller als gedacht. Wir nahmen in der Nacht Abschied, am Vorabend von allen anderen Freunden, Patienten und dem Klinikpersonal. Es war so abgemacht, dass ich noch vor dem Frühstück, die Buchtalklinik in Albstadt verließ. Mit Schwermut ging die Fahrt in Richtung Heimat. „Habe ich richtig gehandelt?“ Ja, sagte mein Gefühl. Von Clara habe ich nie wieder gehört, so war es abgemacht. Im Nachgang waren diese, gemeinsamen Augenblicke, mit die schönsten und glücklichsten Augenblicke meines Lebens. Wir haben es beide genossen, eine glückliche Zeit – ja, ein kleines bisschen Liebe war wohl doch dabei, denn ohne geht’s nicht. Einzigartige Gefühle, innigste Zuneigung, großes Vertrauen und Ehrlichkeit, ließ diese einmalige Zweisamkeit (auf Zeit) gedeihen.
II. Es gibt Konflikte und Menschen, die muss ich nicht haben…!
Eben zur gleichen Zeit wie Carla in die Klink kam, kam auch ein neuer Patient in die Klinik. Ich nenne ihn hier Willi, er war etwa Mitte dreißig und von Beruf Polizeibeamter, er lebte in Giesen. Sein psychisches Problem lag wohl in der Trennung von seiner damaligen Partnerin. Er saß an unserem Esstisch, mir gegenüber. Seine Art zu essen war schon eigenartig zum Bsp. morgens belegte er sich sein Brot mit dünnen Ingwerscheiben, abends kam noch Knoblauch dazu. Er wurde auch in meiner Gruppe therapiert, es war schon sehr anstrengend ihm zuzuhören. Er gab allen und allem die Schuld, er neigte zum absoluten Perfektionisten mit Null Toleranz, doch viel Arroganz. Die Trennung warf in aus der Bahn, richtig heftig mit Bourne Out. Es war die erste Märzwoche, an einem Freitag – morgens gegen 10 Uhr, der erste tolle Frühlings-Sonnenschein. Wir hatten Sport-Gymnastik auf dem Terrassenplateau, die Sonne wärmte schon ein wenig. Ich stellte mich so, dass rechts von mir der Schatten begann, alle anderen standen links von mir, im Sonnenschein. Willi kam, wie öfter, zu spät, direkt auf mich zu. Mit einer linken Handbewegung forderte er mich auf, ihm nach rechts in den Schatten Platz zu machen. Ich erwiderte ihm laut und deutlich: „Du kannst mich mal muscheln, geh mal schön selbst in den Schatten, wer zu spät kommt den bestraft das Leben.“ Daraufhin verließ er wutschnaubend das Plateau, alle um mich herum schüttelten nur den Kopf und sagten: „Was war denn das jetzt?“ Wir machten weiter, danach duschen und dann Mittagessen. Allerdings fehlte nun dieser Willi am Tisch. Beim Hauptgang trat unser Chefarzt mit schnellem Schritt in den Speisesaal, auf mich zu. Er forderte mich auf direkt mit ihm zu gehen. Erst esse ich hier zu Ende, dann komme ich zu ihnen. Der Chefarzt saß im Flur auf einem roten Ledersofa und wartete auf mich. Er kam auf mich zu packte mich am Kragen, schüttelte mich und schrie: “Was haben sie mit Willi ….. gemacht, er packt seine Koffer und will sofort abreisen. Ich laß mir nicht von ihnen die Patienten vergraulen.“ Ich forderte ihn auf mich sofort loszulassen und versuchte ihm zu erklären, was da auf dem Plateau wirklich geschah. Er ließ es einfach nicht zu und lief davon. Gott sei Dank, das Tun des Chefarztes blieb nicht ungesehen, mindestens noch fünf Mitpatienten und auch die Physiotherapeutin, die mit uns die Gymnastik trainierte, sahen diesen körperlichen Angriff. Ab diesem Moment ging es mir wirklich sehr schlecht und ich zog mich in meine Zelle zurück. Nun stand ich ungewollt im Mittelpunkt des Tages, der Tage, der Therapie. Nach dem Vorfall ergriff die Physiotherapeutin die Initiative, sprach mit allen Therapeuten, um dann mit dem Chefarzt zu reden. Bei diesem Gespräch stellten sie den Sachverhalt richtig und forderten den Chefarzt auf sich bei mir zu entschuldigen. Der Chefarzt fragte sich selbst: „Was habe ich da nur angerichtet, hätte ich doch erst einmal die Physiotherapeutin und Mitpatienten befragt.“ Nun war das Kind in den Brunnen gefallen. Ich lehnte eine Entschuldigung ab und da ich bald die Klinik verließ, wollte ich auch kein Abschlussgespräch mit dem Chefarzt. Die letzten Tage in der Klinik genoss ich in Fürsorge, ich wurde wieder stabil und fühlte mich rasch besser. Natürlich auch Dank Carla und allen anderen lieben Mitpatienten und Therapeuten, ich stand so im Mittelpunkt und das tat gut. Übrigens Willi ist an diesem Freitag noch abgereist, wir glaubten alle dass er nur einen Anlass gesucht hat. Der Chefarzt ist somit in eine perfekt inszenierte Falle getappt. Zum Abschied schenkten mir meine Mitpatienten eine kleine Schatzkiste mit vielen „Muscheln“… . Nun endet hier meine Biografie, ich hoffe es war für Euch ein kurzweiliger Lesestoff, bleibt gesund und „Glückauf“.
Als ich geboren wurde, habe ich geschrieen und alle um Mich herum haben gelacht.Ich lebe Mein Leben nun so, dass Ich, wenn ich sterbe, als einziger lache und alle anderen um Mich weinen......
-Anhang –
Erkenntnisse und Lehren aus meinem Leben
„Meine Beharrlichkeit für gewisse Sachen hat ein Ende.“ Es liegt nicht daran, dass ich überheblich geworden bin, ich habe in meinem Leben einen Abschnitt erlangt, der keine Zeit mehr für schmerzhafte, abstoßende oder schlechte Dinge aufbrauchen darf.
Für Ironie, für aufbauschende, übertriebene Beurteilungen und Ansprüche jeglicher Art und Weise habe ich kein Verständnis, keine Ausdauer.
Ich vergeude keine Zeit an diejenigen, die betrügen und unehrlich sind, die mobben und falsch beeinflussen.
Ich habe beschlossen nicht mehr mit Verrenkungen, Vortäuschungen, Scheinheiligkeit, Unaufrichtigkeit und falscher Gunst zu koexistieren.
Ich dulde weder zielgerichtete Bildung noch selbstgefälligen Akademisierungswahnsinn. Übertreibungen und Profilierungen öden mich an.
An Klatsch- und Tratsch- Geschichten werde ich mich nie gewöhnen, noch beteilige ich mich an selbigen.
Ich habe Probleme mit Menschen die keine Tiere mögen, Tiere schlecht behandeln oder sie gar quälen.
Ich verabscheue Zerwürfnisse und Vergleiche. Meine Weltanschauung wird geprägt durch die Verschiedenheit und Andersartigkeit ihrer Menschen. Daher suche ich keinen Kontakt zu Menschen mit steifem und unbeweglichem Charakter.
Ein Defizit an Vertrauen, Indiskretion und Untreue haben in meinen Freundschaften keinen Platz. Genau wie das Fehlen von lobenden Äußerungen und Anerkennungen, Ermutigungen und Unterstützungen.
Ich habe es aufgegeben, zu gefallen, zu lieben und zu lächeln – bei denjenigen, die mich nicht mögen, nicht lieben und nicht mit mir lachen – sie sind in meiner Zukunft unauffindbar.
„Außerdem ist meine Geduld zu Ende, für alle die, die einfach nicht meine Geduld verdient haben.“
Uwe Heuser, Juli 2023
"Mit meiner Vergangenheit Frieden schließen"
An meiner Vergangenheit festzuhalten, entweder durch Schuldgefühle, Sehnsucht, Verdrängung, Abneigung oder Groll, ist eine Vergeudung wertvoller Energie – Energie, die ich darauf verwenden kann, das Heute und das Morgen anders, besser, angenehmer oder sinnvoller zu gestalten. Ich lebte in der Vergangenheit, entweder versuchte ich sie permanent zu ändern, oder ich ließ mich von ihr beherrschen. Meistens erfolgte beides.
Ich fühlte mich ständig schuldig für Dinge, die passiert waren; Dinge, die ich getan hatte; Dinge, die andere mir angetan hatten – und obwohl ich die meisten Konflikte wieder gut gemacht hatte, saßen meine Schuldgefühle sehr tief verwurzelt. Alles war irgendwie mein Fehler. Nie konnte ich einfach loslassen. Jahrelang hielt ich an meiner Wut fest und redete mir ein, sie sei gerechtfertigt. Vieles verdrängte ich. Manchmal versuchte ich, meine Vergangenheit völlig zu vergessen, hörte jedoch nie wirklich auf, darin herumzustochern; meine Vergangenheit war wie eine dunkler Schatten, der mir überall folgte und den ich nicht loszuwerden vermochte. Es war der Schattenmann, der mich in der Depression verfolgte, der mir Angst und auch Panik bescherte . Dieser dunkle Schattenmann besuchte mich im Schlaf, nach ihm wollte ich treten, verfehlte ihn und meine Ferse schlug auf das Seitenbrett meines Bettes. Eine sehr schmerzhafte Begegnung mit meinem Schattenmann. Wahrscheinlich hatte ich Angst, mich davon zu lösen, fürchtete mich vor der Gegenwart, fürchtete mich vor der Zukunft.
Ich brauchte viele Jahre, bis ich die richtige Einstellung zu meiner Vergangenheit finden konnte. Ich begreife, dass ich nicht vergessen kann; ich muß mich davon heilen. Ich muß meine Gefühle, die ich immer noch -primär meine Wut-, spüren und sie dann loslassen.
-Ich kann verzeihen, jedoch vergessen kann ich nicht-
Ich muß aufhören, mir selbst die Schuld für schmerzhafte Vorfälle und Konflikte zu geben, und darauf vertrauen, dass alles nach Plan geschah und alles wirklich seine Ordnung hatte und bis heute hat.
Ich habe gelernt, nichts mehr zu bedauern und zu bereuen, sondern dankbar zu sein.
Wenn ich an die Vergangenheit denke, danke ich für die Erinnerung und meine Genesung . Wenn etwas auftaucht, das Wiedergutmachung erfordert, begleiche ich sie und lasse dann das Ganze auf sich beruhen (abhaken). Hinter dem Pflug ist geackert...
Ich habe gelernt, meine Vergangenheit auch mit den negativen Erlebnissen, mit verständnisvollen und klaren Augen zu betrachten. Von einigen der schlimmsten Erfahrungen, die ich gemacht habe, bin ich geheilt worden. Ich habe Frieden mit mir geschlossen, habe begriffen, dass ich in der Lage bin, anderen Menschen in ihrem Genesungsprozess Beiseite zu stehen, weil ich mich von bestimmten Problemen befreit habe.
Ich habe begriffen, dass die schlimmsten Sachen dazu beigetragen haben, meinen Charakter zu festigen und einige meiner feinfühligen und sorgfältigen Eigenschaften stärker herauszuarbeiten.
Ich habe gelernt, dankbar zu sein für meine gescheiterten Beziehungen, da sie mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin, und an den Ort geführt haben, an dem ich heute, mit meiner Partnerin lebe .
Ich habe gelernt zu akzeptieren – ohne Schuld, Wut, Vorwurf oder Scham. Ich habe weiterhin gelernt, die Jahre zu akzeptieren, die ich mit den Gefühlen von Schuld, Wut, Scham und Vorwürfen zugebracht habe. Auch wenn es manchmal schwer war, es zu ertragen - nach diesem WARUM und WARUM ICH, zu fragen - .
Wir können über die Vergangenheit nicht verfügen, aber wir können sie umwandeln, wenn wir zulassen, davon geheilt werden, und sie in Liebe akzeptieren. Ich weiß es... Meine Gefühle und meine Gedanken gehören dem Heute, dem Jetzt.
Ich bin nun dankbar für meine Vergangenheit. Ich kann nicht ändern, was geschehen ist, aber ich kann die Vergangenheit umwandeln, indem ich jetzt meine gesamte Kraft einsetze, sie zu akzeptieren, mich von ihr zu lösen, loszulassen und daraus zu lernen, auch um das Leben zu genießen und am Alltag teilzunehmen...
Uwe Heuser, September 2023
"Erschöpfung und die Sehnsucht nach Echtheit"Ich bin erschöpft – nicht nur der Alltag ermüdet, das ganze Dasein, vom ständigen Funktionieren und Vergleichen. Es ist das Gefühl, laut sein zu müssen, während innerlich nur ein Flüstern bleibt. Das Weitermachen wird zur Routine, obwohl das Herz sich längst nach Ruhe sehnt. Dazwischen wächst in mir die Sehnsucht nach einem Ort, an dem ich einfach sein darf – sensibel, still, echt. Ein Platz ohne Maske, ohne Druck. Nur ich selbst, ohne Erwartungen, ohne die Notwendigkeit, stark zu sein. Trotz aller Müdigkeit bleibt die Hoffnung, dass es Räume gibt, in denen meine Seele atmen darf.Vielleicht braucht es – manchmal nur das stille Anerkennen dieser Müdigkeit, um ihr die Schwere zu nehmen. Ein sanftes Innehalten, ein tiefes Durchatmen, das mich daran erinnert – nicht immer muss ich alles aushalten. Es ist in Ordnung, verletzlich zu sein, sich zu wünschen, einfach gehalten zu werden – von mir selbst, von leiser Hoffnung, von einem Wort, das berührt.Und bestimmt eines Tages – öffnet sich dieser ersehnte Raum. Ein Ort, an dem meine Verletzlichkeit nicht als Schwäche, sondern als meine wahre Stärke gilt. Wo Sensibilität gefeiert wird, wo Verständnis wächst und wo ich spüre, dass ich angekommen bin – ganz bei mir selbst - das Leiden ein Ende findet.Bis dahin – lasse ich es zu, dass ich mich selbst mit Mitgefühl betrachten darf, gebe mir die Erlaubnis, langsam zu sein, unperfekt, ungeschönt, ja auch schwach und erschöpft. Ich vertraue darauf, dass Echtheit, so zart sie auch sein mag, immer ihren Platz findet. Denn dort, wo ich mich ehrlich zeige, beginnt echte Verbindung – mit mir und mit der Welt.Für alle – die sich genauso fühlen, diese Worte sind wie eine Hand auf dem Herzen. Du bist nicht zu sensibel, nicht zu viel, nicht falsch. Du bist genau richtig, so wie du bist. - Echtheit ist wunderschön und wertvoll.
ZusammenfassungDer Text beschreibt die tiefe Erschöpfung und das Bedürfnis nach Echtheit im Alltag. Er betont, wie wichtig es ist, sich selbst Mitgefühl zu schenken, Verletzlichkeit als Stärke zu akzeptieren und sich Zeit für Innehalten zu nehmen. Die Hoffnung auf einen Ort, an dem Sensibilität und Echtheit ihren Wert haben, zieht sich wie ein roter Faden durch den Text. Am Ende steht die Botschaft, dass wahre Verbindung und Selbstannahme dort entstehen, wo Menschen sich selbst ehrlich begegnen…Uwe Heuser im Juni 2025
Lebensweisheiten und Fakten
Wahre Verbindung und innere Klarheit
Qualität statt QuantitätMit der Zeit wurde mir deutlich: Es kommt nicht auf die Menge der Menschen im eigenen Leben an, sondern darauf, wer tatsächlich an meiner Seite steht. Nicht die Anzahl zählt, sondern die Tiefe der Zusammengehörigkeit.Energie und EchtheitDie Jagd nach der Masse verliert an Bedeutung. Stattdessen rückten echte Gefühle, eine klare Haltung, aufrichtiges Mitgefühl und authentische Energie in den Vordergrund. Oberflächliche Nähe verliert ihren Reiz, wenn Tiefe und Vertrauen fehlen.Vertrauen und RuheBestätigung von außen ist nicht mein Ziel, sondern das Streben nach Vertrauen, innerer Ruhe und Wahrhaftigkeit. Ein ruhiger, klarer Kreis von Menschen ist für mich wertvoller, als jede laute Gesellschaft ohne Tiefe.Bewusstes AuswählenNicht jede Person verdient einen Platz in meinem Leben und in meiner Zukunft. Manche bringen Unruhe, andere echte Verbindung. Es braucht die Fähigkeit zu erkennen, wer darf bleiben, wenn es schwierig wird, wer zuhört und wer statt Spannung Frieden bringt.Selbstschutz und wahre VerbindungWer schlecht von und über mich redet, passt nicht in den geschützten Raum, der für das eigene Wohl geschaffen wird. Indem dieser Raum verteidigt wird, schütze ich mich selbst.Ich muss klare Grenzen ziehen und sie genauso klar auch ansagen.Der Wert echter BeziehungenEhrliche, wahre Vereinigung wiegt mehr als jede oberflächliche Betrachtung. Ein Mensch, der Verständnis und Wachstum ermöglicht, ist wertvoller als zehn, die festhalten und nicht loslassen können.
Mit der Zeit wurde mir klar
Es zählt nicht, wie viele Menschen mich umgeben – sondern wer bei mir ist. Ich jage nicht mehr der Menge hinterher. Ich achte auf Energie, auf echte Gefühle, auf Haltung, auf echtes Mitgefühl. Oberflächliche Nähe verliert ihren Glanz. Ich suche keine Bestätigung – ich suche Vertrauen, Ruhe, Echtheit.Ein stiller, klarer Kreis bedeutet mir mehr als eine laute Gesellschaft ohne Tiefe.Nicht jeder verdient einen Platz in meinem Leben, in meiner Zukunft. Manche bringen Chaos, nicht Verbindung. Ich habe gelernt zu unterscheiden, wer bleibt, wenn´s schwierig wird? Wer hört zu? Wer bringt Frieden statt Spannung? Wer redet schlecht von mir, über mich. Ich schütze meinen Raum – und damit mich selbst. Denn wahre Verbindung wiegt mehr als jede flüchtige Aufmerksamkeit. Ein Mensch der mich versteht, mich wachsen lässt, ist wertvoller als hundert, die mich festhalten.
Uwe Heuser im Juli 2025
Über Abschiede und Selbsterkenntnis
Es ist ganz normal, dass Menschen, die früher eine wichtige Rolle im eigenen Leben gespielt haben, mit der Zeit in den Hintergrund treten. Dieser Prozess kann schmerzhaft sein, doch manchmal ist genau das die richtige Entscheidung. Enttäuschungen gehören dazu – auch von Personen, denen man so etwas nie zugetraut hätte. Statt sich von schönen Worten blenden zu lassen, lohnt es sich, auf Taten zu achten, denn diese zeigen die wahre Haltung.Mit der Zeit wandelt sich die Enttäuschung. Nicht mehr die Handlungen anderer stehen im Mittelpunkt, sondern die eigene Naivität, überhaupt etwas anderes erwartet zu haben. Manchmal ist die Erschöpfung einfach nur da – ohne Ärger, Einsamkeit oder Unmut. Sie ist ein Zeichen dafür, dass die Seele eine Pause braucht.Ein Rückzug ist oft kein Zeichen von Kälte, sondern Ausdruck des eigenen Bedürfnisses nach Ruhe. Es geht nicht mehr darum, um Liebe, Respekt oder Aufmerksamkeit zu kämpfen, sondern zu erkennen, was wirklich wichtig ist. Wer einem nicht egal ist, wird auch im Schweigen zuhören, und wer einen vermisst, wird einen auch suchen.Ich verändere mich… Das Leben zwingt mich dazu. Ein wenig die Enttäuschungen, ein wenig die Falschheit der Menschen, die ich nicht erwartet hätte. So ist das Leben… Mit der Zeit verstehe ich die Dinge.Ein sensibles Gespür für Menschen und Situationen ist dabei von großer Bedeutung. Oft werden Lügen und Betrug intuitiv wahrgenommen – und diese Erkenntnis trifft besonders tief. Manche Begegnungen sind so wertvoll, dass man sie nie mehr verlieren möchte.Das Leben ist kurz. Deshalb sollte jeder das tun, was glücklich macht. Wichtig ist, sich nicht an Dingen festzuhalten, die einen verletzen. Wer loslässt, kann weitergehen und das finden, was wirklich guttut.
Uwe Heuser im August 2025
Der sensible Mann, so tickt er!
Als sensibler Mann werde ich häufig fälschlicherweise als arrogant eingeschätzt. Dies liegt oft daran, dass ich in lauten oder hektischen Situationen still bleibe und mich zunächst lieber zurücknehme, statt mich in oberflächliche Gespräche einzubringen. Ich beobachte aufmerksam, höre zu und nehme Stimmungen, kleine Ungerechtigkeiten und Veränderungen in meiner Umgebung besonders schnell wahr – kaum etwas entgeht mir.Ein wichtiger Aspekt meiner Persönlichkeit ist die Bereitschaft, eine klare Meinung zu vertreten, selbst wenn diese unangenehm ist. Mein ausgeprägter Sinn für Fairness überwiegt dabei meist vor der Angst möglichen Reaktionen. Da ich als sensibler Mensche schneller ausgelaugt bin, ziehe ich mich häufiger zurück, um neue Energie zu tanken und um meine Akku´s aufzuladen. Mein Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe wird von anderen oft als Kühle missverstanden, doch eigentlich handele ich vorausschauend: Ich erkenne Konflikte oder Probleme bereits, bevor diese offen zutage treten, und denke frühzeitig über mögliche Lösungen und deren Folgen nach.Meine Gefühlswelt als sensibler Mann ist besonders intensiv. Liebe, Freude, Angst, Schmerz, Trauer oder Leid werden von mir tiefer und stärker empfunden, auch wenn ich diese Empfindungen nicht immer nach außen zeige und vieles mit mir selbst ausmache, in mir selbst verarbeite...
Uwe Heuser im September 2025
Mit dem Blick zurück, das Leben verstehen
Irgendwann kam der Zeitpunkt, in dem ich merkte, dass all die schwere Zeit, die ich durchgemacht habe, mich nicht nur geformt haben, sondern die mich auch weitergebracht haben. Ich begriff, warum es so kam, wie es kam. Was früher wie ein Chaos wirkte, fügte sich zusammen und ergab einen Sinn. Die Umwege, der Schmerz, das Leiden, das Warten sie haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Ich begann zu verstehen und schloss Frieden mit dem, was war. Ich sprach leise zu mir selbst – jetzt verstehe ich es.Viele sagten, ich hätte mich verändert. Doch keiner hat gefragt, was dazu geführt hat. Keiner sieht die Nächte, in denen ich gegen mein eigenen Selbstwerte angekämpft habe. Niemand hört die Gedanken, die ich still ertragen musste. Doch ich weiß es – und das reicht aus: Jede Veränderung war ein Teil der Rückgewinnung.In meinem Leben gab es Momente an denen Enttäuschungen keine Rolle mehr gespielt haben. Nicht, weil sich Dinge gebessert hatten oder weil Menschen nun so agierten wie ich es mir wünschte, sondern weil ich aufgehört habe, zu erwarten, dass sie es tun. Ich zweifelte an mir, weil andere mir nicht den Wert gaben, den ich verdient hätte. Meine Erkenntnis daraus: Mein Wert hängt nicht von der Meinung anderer ab. Ich bin nicht da, um Erwartungen zu erfüllen. Ich bin hier, um meine Wahrheit zu leben – und die ist wichtiger und kostbarer, als es jegliche Fremdeinschätzung jemals sein könnte.Mein Leben ist kurz, zu kurz, um darauf zu warten, dass für mich die perfekten Momente kommen. Die knallharte Wahrheit ist es, sie kommen nie. Es gibt immer ein Risiko für mich, immer eine Hürde, eine Grenze, immer ein irgendwann, immer ein bald. Doch während ich warte, vergeht das Einzige, was wirklich kostbar ist – meine Zeit. Und irgendwann frage ich mich nicht, ob ich es geschafft habe – sondern ob ich es überhaupt versucht habe.Das Leben besteht aus Prüfungen, Herausforderungen, Bitterkeit, Schmerz, Leid und Tränen. Aber es besteht auch aus Erfolg, Hoffnung, Glück und Frohsinn. Der Weg ist nicht immer leicht, aber genau dann, wenn für mich das Leben unerträglich und härter wurde, habe ich festgestellt, dass ich stärker wurde. Ich blieb nie stehen und kämpfte jeden Tag weiter! Ich kann verzeihen – doch vergessen kann ich nicht!Uwe Heuser im Oktober 2025
Reflexionen der Zeit – die Lehren der Jahre
Im Laufe der Zeit hat sich mein Leben grundlegend verändert. Die Jahre, die vergangen sind, haben mich geprägt und mein Denken sowie mein Verhalten nachhaltig beeinflusst. Ich habe gelernt, Situationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und mein Verständnis für Menschen und Ereignisse zu vertiefen. Mit zunehmendem Alter merke ich, dass ich meine Energie bewusster einsetze: Ich streite weniger, lasse mich seltener auf Diskussionen ein und halte mich mit ungefragten Ratschlägen zurück. Stattdessen wäge ich ab, wo mein Einsatz sinnvoll ist, und konzentriere mich auf das, was mir wirklich wichtig ist.Wertvolle Beziehungen und SelbstfürsorgeIm Laufe der Jahre habe ich erkannt, welche Menschen in meinem Leben bleiben sollten. Die, die mir Zuneigung und Liebe schenken, sind mir besonders wichtig geworden. Wenn ich hingegen das Gefühl hatte, ignoriert oder nicht geschätzt zu werden, habe ich mich bewusst zurückgezogen. Ich habe gelernt, auf mich selbst zu achten: Was mir guttut, gönne ich mir, und was mich belastet, lasse ich los. Auf diese Weise sind zwar weniger Menschen an meiner Seite geblieben, doch diese Beziehungen sind umso wertvoller geworden. Die Bindung zu diesen wenigen Personen ist über die Zeit hinweg stärker und inniger geworden.Persönliches Wachstum durch ErfahrungenDie Jahre waren für mich ein ständiger Lernprozess, geprägt von Höhen und Tiefen. Es gab Momente, in denen ich an meinen Erfahrungen fast zerbrochen wäre, aber auch Phasen, in denen ich Heilung und Wachstum erfahren habe. Ich habe sowohl Siege gefeiert als auch Niederlagen hingenommen – und jedes einzelne Erlebnis hat mich etwas gelehrt. Besonders das Zulassen von Liebe und das Loslassen von Menschen und Situationen waren wesentliche Bestandteile meiner Entwicklung. Die Zeit selbst war mein größter Lehrmeister, und für all diese Lektionen bin ich sehr dankbar.Bedeutung echter VerbindungenMit zunehmendem Alter wird mir immer klarer, dass es nicht darauf ankommt, wie lange ich jemanden kenne. Viel wichtiger ist, wie sehr ich mich von einem Menschen gesehen, verstanden, geschätzt und geliebt fühle. Die Tiefe einer Beziehung ist entscheidend, nicht ihre Dauer. Echte Verbindungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie aufrichtig und bedeutsam sind – sie geben dem Leben Sinn und Halt.Vertrauen ins BauchgefühlImmer mehr lerne ich, meinem Bauchgefühl zu vertrauen. Wenn sich eine Situation für mich nicht richtig anfühlt, dann ist das meistens ein verlässliches Zeichen. Mein Bauch reagiert oft schneller als mein Kopf, der nach Erklärungen sucht, oder mein Herz, das noch an Altem festhält. Es ist nicht immer leicht, auf dieses Gefühl zu hören, doch ich weiß inzwischen, dass mein Bauchgefühl mich nicht täuschen will – es will mich vielmehr schützen, gerade vor Dingen, die mein Herz vielleicht noch schönreden möchte.Stärke aus VerletzungenManchmal frage ich mich, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich weniger Zeit gebraucht hätte, um Wunden zu heilen, für die ich selbst keine Verantwortung trug. Mittlerweile erkenne ich jedoch, dass auch aus diesen Verletzungen Kraft entstanden ist. Sie haben mich wachsen lassen und mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Aus Leid ist Stärke geworden, die mir hilft, das Leben bewusster und selbstbestimmter zu gestalten.Uwe Heuser im November 2025
Vom Überleben zur Selbstakzeptanz Mein Weg zu innerer Ruhe
Psychologie und der FunktionsmodusEs ist, was es ist, spricht die Psychologie. Wenn ich zu lange im Funktionsmodus lebe, verliert mein Körper das Gefühl der Lebendigkeit und schaltet stattdessen auf reines Überleben. In diesem Zustand fühle ich mich dauerhaft angespannt, innerlich leer und ständig auf Alarm. Mein System sucht unbewusst nach dem nächsten Problem, das gelöst werden muss. Selbst wenn Ruhe einkehrt, gelingt es mir nicht abzuschalten – mein Körper hat gelernt, dass vermeintliche Sicherheit trügerisch ist und jederzeit Gefahr drohen könnte. Das liegt nicht daran, dass ich empfindlich bin, sondern daran, dass mein Nervensystem vergessen hat, wie sich echte Ruhe, tiefe Geborgenheit und Entspannung anfühlen.Veränderung und SelbstschutzIm Laufe der Zeit habe ich mich verändert. Ich bin zu dem Mann geworden, der länger braucht, um zu antworten. Ich ziehe es vor, allein zu sein, denn Frieden spricht lauter als jede Stimme. Wenn die Energie in meinem Umfeld unangenehm wird, ziehe ich mich zurück – nicht aus Stolz, sondern als Schutz für mich selbst. Ich renne niemandem mehr hinterher. Wenn Gespräche enden, dann war es an der Zeit. Wenn Freundschaften gehen, dann war ihr Platz in meinem Leben wohl nie bestimmt. Ich entscheide mich bewusst für die Ruhe, nicht weil ich kalt geworden bin, sondern weil ich endlich gelernt habe, mich selbst zu verstehen.Der Weg der SelbstfindungVielleicht war mein Weg nicht immer der einfachste. Oft bin ich gestolpert, habe gezweifelt oder gezögert. Doch heute erkenne ich, dass ich auf diesem Weg mehr über mich selbst gelernt habe als je zuvor. Jeder Schritt war wichtig, kein Umweg war vergeblich. Ich wachse – jeden Tag ein wenig mehr, es darf kein Weg in eine Sackgasse führen.Akzeptanz und HoffnungEgal wie schwer das Leben für mich ist, egal wie sehr ich leide, egal was passiert oder wen ich verliere: Ich werde es überwinden. Es wird wehtun, und schlechte Erfahrungen gehören dazu, aber das Leben geht immer weiter. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass es Menschen gibt, die mich mögen, die mich lieben und denen ich etwas bedeute. Menschen, die mich nicht verlieren wollen. Deshalb lebe, liebe, verzeihe und kämpfe ich. Ich muss nur auf mich aufpassen und niemals aufgeben.Uwe Heuser im Dezember 2025
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